Beginnender Winter

 

Die letzten Zugvögel

am Horizont längst

wie der Herbst entschwunden

aus ihren Kehlen gehetzt

ein heiserer Schrei

ist erschallt:

Südwärts, südwärts

bald wird es kalt!“

 

Nun trauert alle ihr Blüten

die Hoffnung in uns versprühten

vertrocknet seid ihr – verwelkt

die Wehmut ertappt uns beim Träumen

pflückt Hoffnung wie Blätter von Bäumen.

 

Die letzten Sonnenstrahlen

nicken ein auf der Haut

hissen die weißen Flaggen

ermüdet von Gegenwehr

ihre Schreie müde

und heiser:

Wir kommen zurück!“

klingen leiser.

 

Nun trauert alle ihr Blüten

die Sehnsucht in uns versprühten

vertrocknet seid ihr – verwelkt

die Wehmut ertappt uns beim Träumen

pflückt Sehnsucht wie Blätter von Bäumen.

 

Der schweigsame Frost

verneigt sich vor´m Winter

und huldigt ihm stummes Geleit

bekennend zeigt er die Krallen

und zieht sie doch mutlos zurück

noch klingen gedämpft

seine Schreie:

Zum Winter fehlt noch ein Stück!“

 

 

Welch´ ein Winter!

 

Kinder, Kinder,

welch´ ein Winter:

Ohne Schnee und Winterduft

ohne Zauber weht die Luft !

 

Kinder, Kinder,

welch´ ein Winter:

Ohne Liebe wird die Welt

wie ein Boxer ausgezählt !

 

 

Der Schneemann

 

Zuerst formen Kinderhände

einen Schneeball

und rollen ihn über das Feld : „Ich wachse!“

 

Bald türmen sie mich auf

streicheln mich glatt

klopfen mich liebevoll: „Ich fühle mich wohl!“

 

Dankbar leuchten meine Knopfaugen

beim Entstehen meines Gesichtes

Gelbe Rüben und Topfhut: „Ich lebe!“

 

Meine Augen verfolgen

Schneeballschlachten der Kinder

hinter meinen Schultern

verstecken sie sich: „Ich schütze!“

 

Nun springt einer:

- Gesicht verzerrt -

- langer Anlauf -

- Ich höre seinen Atem -

- Ich spüre sein Atmen -

beidbeinig in meinen Körper: „Ich falle!“

 

Eigentlich wäre ich lieber geschmolzen

am Ende des Winters!“

 

 

Der Weihnachtskorb

 

Wenn Weihnachten nun näher rückt

und die Uhr nach Winter tickt

dann schnaufen alle ruhelos:

Was schenk´ ich meiner Mutter bloß?“

Parfum von Douglas wär´ nicht schlecht

Andre´ Rieu käm´ ihr wohl recht

ein Fresskorb auch mit Wein und Sekt

bestimmt der Mutter recht gut schmeckt

mit Weinbrandbohnen – Marzipan

mit Bratwurstdosen – Baldrian

mit Doppelherz und Vitaminen

garniert mit Zeit und Mandarinen!

 

Vor allem Zeit ist schwer zu finden

die Zeit versinkt sie will entschwinden

in Hetzjagd Stress und Plackerei

in Einkaufswahn und Dudelei:

Das Rentier blökt laut „Stille Nacht“

und hat an „geiz ist geil“ gedacht

der Esel röhrt „Ihr Kinderlein“

und schaltet die Play-Station ein

es lacht und grinst die Weihnachtsgans

und träumt von heerem Lichterglanz

doch schon sind Messer flott gewetzt

es wird gedrängt gemobbt gehetzt

geschubst gestritten und geklaut

die Zeit die niemand hat wird laut

und alle schnaufen ruhelos:

Was schenk´ ich meiner Mutter bloß?“

Ich weiß ich schenk´ den Weihnachtskorb

bloß ohne Zeit …

 

 

Nachsilvestermorgen

 

Überall an jeder Ecke Flaschen

gähnen mich schlaftrunken an

Flaschenpost von Gestern ans Heute

Nachsilvestermorgen grau in grau

erloschene Raketenreste

im schwefligen Dunstkreis

guter Vorsätze

vorgenommen

liegengelassen

wie nutzlosen Müll

überall an jeder Ecke

gähnen mich schlaftrunken an

Balanceakte des Gestern ans Heute

am Drahtseil hängende „ich-will-Notizen“

am Nachsilvestermorgen

grau in grau

die Stimmung von gestern

verraucht

vergilbt

verblichen

in Australien feiern sie früher

dort werden Vorsätze schon begraben

während wir sie hier erst schmieden.

 

aus dem Gedichteband "Traumreisen"

 

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                                                                   (Das politische Gedicht)