"Rücksicht"  Kunstweg Barthelmesaurach 2012

Die Texte sind im Buch "Theresas Antwort":

 

Am Heidenberg

 

Ein richtig schönes Fleckchen Erde befindet sich cirka fünf Kilometer südöstlich von Schwabach innerhalb unserer Gemeinde Kammerstein: der Heidenberg. Mit seinen stattlichen 462 m an Höhe ragt er doch beträchtlich aus der Landschaft heraus – egal von welcher Seite, Gemeinde oder Stadt man sich ihm nähert. Weithin sichtbar ist er – nicht zuletzt wegen seines imposanten rot-weißen Sendeturmes, der ähnlich eines Leuchtturms an der Nordseeküste, den Fremden und Wandergästen den Weg zu uns weist. Die geheimnisvolle Marienquelle, kleine Schluchten, überraschende Sandsteinfelsen, unzählige Wanderwege – inzwischen alle gut beschildert – und eben der zusätzlich nochmal 219 m hohe, beeindruckende Sendeturm, den man komplett umrunden kann, laden ein. Fauna und Flora sind abwechslungsreich und vielseitig: Gerne verweilt man ein wenig und lässt den Blick schweifen.  Hohe Farnfelder, versteckte Teiche, verwachsene Vegetationen mitten im Mischwald. Beruhigendes Grün. Blühende Pflanzen am Wegesrand. Himbeeren, Brombeeren, Pilze. Teichmolche, zwitschernde Waldvögel, Rehe, ja gar Wildschweine gibt es – und diese angeblich nicht nur im sehenswerten „Kühedorfer Wildgehege“.-

Der höchst interessante, vierzehn Kilometer lange Sagen-Wanderweg führt uns zu insgesamt 22 Sagen-Stationen, allesamt bestens beschildert, illustriert und mit lehrreichen, spannenden Texten versehen. Die Sagen erzählen von Feen, vom Heldentum, von edlen Rittern und seltsamen Gepflogenheiten im Mittelalter. Kein Wunder, residierten doch keine Geringeren als vier Generationen der „Ramungen-Ritter“ auf Burg Kammerstein, die den Handelsweg Nürnberg-Ulm, der quer über den Heidenberg verlief, zu sichern hatten. Diese „Burgunderstraße“ reichte bis nach Italien und verband Nürnberg und Schwabach sogar mit Venedig. Und die Handelswege kreuzten sich am Heidenberg sogar. Eine weitere Route verlief von Kammerstein aus gesehen westwärts: Über die Zollstation „Chausseehaus“ gelangte man auf diesem Handelsweg durch Günzersreuth, Rudelsdorf, Windsbach, Ornbau bis hinüber nach Straßburg. Selbst Goethe hatte diesen Weg einst anno 1797 auf einer seiner Reisen gewählt und gar trefflich beschrieben (siehe auch: „Kammersteiner Heimatbuch“ und „Ein todsicherer Plan“, Seite 135 ff).-

Kammerstein mit seiner Burg sowie dem Handelsweg über den „Heidenberg“ war also im Mittelalter strategisch gesehen von besonderer Bedeutung, doch heute bereitet es vor allem großen Spaß, auf den Spuren der Kaufleute, Händler, Raubritter und Vagabunden, die hier wohl auch durchgezogen sein mögen, ein wenig „mittelalterliche Luft“ inmitten einer herrlich beruhigenden und anregenden Natur, frei von Abgasen und Lärm, zu schnuppern.-

Klar, inzwischen ist dieses schöne Stückchen Erde infrastrukturell bestens erschlossen: Die Gemeinde Kammerstein hat ihrerseits keine Kosten gescheut und neben dem bereits erwähnten Sagen-Wanderweg auch einen ADAC-Rundweg für Spaziergänger und Wanderer eingerichtet. Ein bisschen sportlich sollte man allerdings schon sein, denn die Anstiege sind mitunter doch unerwartet steil, aber trotzdem gut zu bewältigen. Allzu weit sollte man sich allerdings nicht von den beschilderten Wegen entfernen, denn, man mag es kaum glauben, auch ein vermeintlicher „Kenner“ des Heidenbergs kann sich dort noch ganz ordentlich verlaufen. Oh ja!-

Vier gut beschilderte Nordic-Walking-Strecken wurden außerdem als Rundkurs professionell ausgebaut und die längste dieser Strecken misst 10,4 Kilometer. Wem dies zu kurz erscheinen mag, der möge einfach irgendwo kreuz und quer abzweigen, bergauf – bergab eine der zahllosen Wege-Schleifen wählen und kann dann nahezu beliebig verlängern. Irgendwann wird es ihm gelingen, wieder auf ein Hinweisschild zu treffen, das ihm weiterhilft oder ihn zum Ausgangspunkt zurückbringt. Selbst Rosi Mittermeier und Christian Neureuther waren hier schon zu Gast, bzw. weihten eben diese beiden vor ein paar Jahren jene vier Nordic-Walking-Strecken ein, auf denen außerdem noch Herzfrequenzmessstationen mit eingebaut wurden. Ein extra Technik-Parcours versucht darüber hinaus, den Anfängern anhand von Schautafeln die richtige Technik beim Walken zu vermitteln; aber sicherlich können hierbei auch Fortgeschrittene noch die eine oder andere hilfreiche Anregung zur Verbesserung des eigenen Laufstils ergattern.-

Für die Fitness bestens geeignet und interessant ist der Heidenberg auch für Jogger, die das hügelige Geläuf mit den zahllosen Anstiegen besonders zu schätzen wissen.-

Auch Mountain-Biker kommen inzwischen zu Hauf – und voll auf ihre Kosten. Jedoch mangelt es mitunter noch ein wenig an Rücksicht dieser Spezies, die bestens behelmt und beritten auf ihren schweren Drahteseln die Abfahrten hinunterdonnern, als wären sie ihrerseits vom leibhaftigen Teufel beseelt oder verfolgt. Womit wir wieder bei den Sagen angelangt wären: Ich möchte euch sagen, liebe Biker: „Doud langsam, wenn er aaf uns Wanderer dreffn doud, miir lebn aa nu gern a bissla länger! Und aaßerdem gibbds am Heidnberch a Reider, di blöddsli aff ihre Geil aus am Seidnweech aafdaung känndn. Und wenner midd denna zammrummbln doud … wos nou?“

(aus: "Ein todsicherer Plan", Gardaseekrimi, Kurzgeschichten, Gedichte)

 

Sechzeah Därfli

 

Sechzeah Därfli

hänger zamm

irchärdwäi

mäingsi di Leid

grießnsi freindli

aff där Schdrass

oder wennsisi beim Aldi

odder REWE zufällich

dräffn dänna.

 

Sechzeah Därfli

hänger zamm

irchärdwäi

haldn aa alle a weng zamm

helfnsi am Waldmarggd

gengseidich middi Reißnägl

oder wer wass

midd wos sunsd nu aus.

 

Sechzeah Därfli

hänger zamm

irchärdwäi

kennd a jäider nu jäidn

und doud in andern

a bisserla reschbeggdiern

nedd immer – abber immer nu äfders

als sunsd wou

suu kummds mär jäidnfalls vuur.

 

Sechzeah Därfli

hänger zamm

irchärdwäi

lichd där Heidnberch

in der Middn

und a jäider moochnern

und dou dou ich weddn

fassd a jäider hoddsi schu mool

dord droum värloffn.

 

Sechzeah Därfli

hänger zamm

irchärdwäi

gräichsd goud Luffd

und schnaufsd nämmer suu schwer

wennsd hammkummsd

jäidn Dooch vuu deiner Ärberd

hammkummsd

bisd dahamm.


(aus: "Gsachd is gsachd!")

 

 

Kammersteiner Waldmarkt

 

Adventskränze mit bunten Schleifen

Töpferware bunt mit Streifen

Zweige für die Winterzeit

Glühweinzauber macht sich breit

gute Stimmung auf dem Platz:

Lachen, Lächeln, mancher Schatz

findet sich bei Plätzchenduft

Bratwurstrost und Heringsluft.

 

Schön geschmückt sind alle Buden

die wir heimlich nachts beluden

Mistelzweige – edle Brände

Feuerspatzen – Bastelstände

Windlichter und Christbaumtand

aus dem Kammersteiner Land

Blasmusik bei bester Laune

Wurzelstücke der Alraune.

 

Freunde, Gäste und Bekannte

Schüler, Fremde und Verwandte

grüßen sich und jeder weiß

Weihnachten rückt näher leis´

auf ganz weichen sanften Pfoten

Kammersteiner Winterboten

locken viele Menschen an

weil man Advent schnuppern kann.

(aus meinem Buch "Theresas Antwort")

 

aus meinem Buch "Ein todsicherer Plan":

Umringt am Heidenberg

Kurz nach meiner ersten Russlandreise, auf der ich, wie ihr wisst, mein treues Pferd im Schneesturm am Kirchturm festgebunden hatte und nach der Schneeschmelze über Nacht durch einen gezielten Pistolenschuss aus dessen misslichen Lage befreien konnte – ich hatte das Halfter glatt durchschossen –, reiste ich auf den Spuren Goethes auf dem alten Handelsweg von Straßburg nach Nürnberg. Ich und mein Gaul, wir gelangten durch zahlreiche Ortschaften, aber kein einziges Abenteuer hatte bisher unsere Tage versüßen können. So war es mir, Baron Münchhausen, doch ein wenig langweilig geworden. Wir durchquerten Ornbau und Windsbach. Belustigt musste ich feststellen, dass Goethes Beschreibung des holprigen Kopfsteinpflasters des letztgenannten Städtchens, stammend aus dem Jahre 1797, weiterhin Bestand hatte.

An der Aurach entlang: Mühlen und schnalzende Forellen, die mir und meinem Pferd Mut zusprachen für die bevorstehende Aufgabe, die ich noch nicht im Entferntesten erahnen konnte. Ich schnalzte mit der Zunge zurück und so verfiel mein Gaul irrtümlicherweise in schnellsten Galopp.

Es war Anfang Oktober im Jahre 1807 des Herrn und ich fror ein wenig – genauso wie die Fische –, sonst wären sie ja nicht in dem Bächlein gesprungen.

So erreichte ich recht schnell eine Ortschaft namens Rudelsdorf und mein Gaul jagte hindurch wie von Taranteln gestochen oder von Wölfen gehetzt.

Den Anstieg hinauf – durch Günzersreuth hindurch – immer auf Goethes Weg entlang!

An der Zollstelle Chausseehaus entrichtete ich meinen Obolus ohne zu murren und passierte diese Stelle genau dort, wo später einmal die B 466 entlangführen sollte. Aber das konnte ich damals im Jahre 1807 ja noch nicht wissen.

An einem Weiher, dem Wege folgend, ritt ich hinauf nach Kammerstein, wo sich einst im Mittelalter die Burg des Ritters Ramungus und seiner Nachfolger befunden hatte. Nach dem 30-jährigen Krieg 1618 – 1648 war diese endgültig verfallen geblieben, soviel wusste ich als weitgereister Gelehrter der Geschichte immerhin.

Trotzdem hielt ich natürlich Ausschau nach einer Burgruine oder wenigstens nach Sandsteinresten, allerdings vergeblich. Die Reste waren 1806 endgültig beseitigt worden, so erinnerte ich mich jetzt.

Plötzlich überfiel mein Pferd extreme Höhenangst, so steil war der letzte Anstieg. Seine Augen rollten wie wild, es schnaubte und wollte rückwärts wieder hinabgaloppieren, was meine goldenen Sporen allerdings gehörig zu verhindern wussten.

Als wir endlich oben angelangt waren, am Höhenkamm, galoppierte der Gaul jedoch eigenmächtig, ohne mich um Erlaubnis gefragt zu haben, hinab nach Neppersreuth, anstatt den Heidenberg ganz zu erklimmen.

Es folgte ein entsetzlicher Abritt.

Mein Pferd jagte so schnell hinab, dass seine Hufe kaum mehr den Boden berührten und sich die Reste der Tabakpflanzen am Wegesrand wie bei einem Sturm zu Boden bogen.

Über Stock und Stein, über im Wege liegende Baumstämme hinweg, immer hinab aus schwindelnder Höhe ging der rasante Ritt.

Daher rutschte mir meine Perücke direkt vor die Augen. Zum ersten Male in meinem Leben konnte ich eine gleichzeitige Sonnen- und Mondfinsternis am eigenen Leibe erleben.

Endlich das lang ersehnte Abenteuer, so dachte ich bei mir, und auch mein Gaul wieherte zustimmend voller Begeisterung.

Ich hatte Schwierigkeiten, mich zurechtzufinden und schaltete daher mein Pferd auf Automatikritt um. Sofort verfiel es in langsamen Trab. Nun hatte ich beide Hände frei und konnte mein Haarkleid zurechtrücken.

Die Finsternis wich.

Da erschienen von allen Seiten die Wildschweine und umringten uns.

Eber, Bachen, Frischlinge.

Mein Gaul verharrte und deshalb verharrte auch ich.

Nun – was war zu tun?

Goethe hatte in seinem Reisebereicht aus dem Jahre 1797 diese Wildschweine nicht erwähnt. Aber das konnte mich, Baron Münchhausen, keineswegs erschüttern.

Sofort sprang ich rückwärts auf meinen Gaul und pflückte Eicheln von den umliegenden Bäumen. Durch einen Fußdruck übermittelte ich meinem Pferd die Nachricht, sich in Bewegung zu setzen. Ich stand also rücklings auf meinem Reittier und dieses schritt los. Vom Pferdesrücken aus warf ich nun die Eicheln zu den schmatzenden Borstentieren hinunter und keines dieser Dickwanster schien mir dabei unzufrieden, da ich auf eine gerechte Verteilung achtete. Im Gegenteil, diese eichelfressenden Zotteltiere grunzten voller Wolllust. So legte ich eine Spur mit den nussigen Früchten und führte ein ganzes Rudel hinter mir her, ähnlich wie damals der Rattenfänger von Hameln im Jahre 1284 ebensolche Nagetiere.

Nur, dass ich weder flöten noch vorwärts schreiten musste. So konnte ich gleichzeitig auch die Tiere noch beobachten und dadurch meine biologischen Kenntnisse über diese Spezies vertiefen.

Ich stand also auf meines Pferdes Rücken und trällerte ein Lied.

Es hieß „A horse with no name“ und stammte von einer legendären Popgruppe namens "America".

So geleitete ich die Wildschweine gen Südosten, hinaus aus dem Sagenwald „Heidenberg“ und hinab zu einer Ortschaft namens Kühedorf, wo sich die Schlammwälzer auf´s Herzlichste von mir verabschiedeten, sich von meiner Person lossagten und sich in Windeseile mit ihren Rüsseln selbst ein Freigehege bauten, welches man heute noch bestaunen kann.

Meine Person drehte sich um und galoppierte schnurstracks zurück nach Kammerstein, hinaus aus dem Heidenberg, um in einer Gaststätte namens „Ossmann“ einzukehren und das überstandene Abenteuer gehörig zu begießen.

Dies hatte Goethe nicht getan, denn dieser hatte 1797 im „Lamm“ zu Schwabach logiert.-

 

Tja – deine Münchhausengeschichte ist dir wirklich vortrefflich gelungen“, meinte der Lehrer und schlug seinem Schüler Jakob anerkennend auf die Schulter, „allerdings kann deine Lügengeschichte keinesfalls stimmen“, lachte er weiter.

Jakob gestand: „OK, die Stelle mit dem Automatikritt und dem englischen Popsong ist etwas mutig gewesen, zugegeben. Aber mir haben gerade diese Textstellen Freude bereitet.“

Der Lehrer grinste vor sich hin: „Diese Stellen finde ich auch klasse – richtig gelungen, aber was du nicht bedacht hast, mein Lieber, ist, dass der Baron Münchhausen zeitgleich mit Goethe gelebt hat und daher nicht auf seinen Spuren wandeln konnte! Im Jahre 1807 war der Baron Münchhausen bereits mausetot.

Jakob schüttelte nachdenklich den Kopf.

 

Das hat mir wohl jetzt gehörig die Note vermasselt!“, sagte er etwas zerknirscht.

Mitnichten“, entgegnete der Lehrer, „das macht gar nichts, denn es handelte sich ja um eine echte Lügengeschichte!“

 

Nachtrag zur Geschichte „Umringt am Heidenberg“:

Baron von Münchhausen, der Lügenbaron, lebte im 18. Jahrhundert. Er liebte es unglaubliche Lügengeschichten, sogenannte „Lügenmärchen“ zu erzählen.

Sie wurden gesammelt, aufgeschrieben und vermehrt von dem Dichter Gottfried August Bürger (1747 –1794). Dieser Erzähler dichtete Geschichten hinzu, so auch die wohl bekannteste Geschichte, die den Titel „Der Ritt auf der Kanonenkugel“ trägt.

Später dann, im Jahre 1964 hat Erich Kästner einen umfangreichen Münchhausen – Sammelband unter dem Titel „Die unglaublichen Geschichten des Baron Münchhausen“ veröffentlicht.

Der geschichtliche Hintergrund ist bedeutend, da er den damaligen Zeitgeist widerspiegelt.

Die „Münchhausen-Geschichten“ entstanden in der Epoche der sogenannten „Sturm-und-Drang-Zeit“, welche gekennzeichnet ist durch die Schilderung von Gefühlen, Leidenschaft und Phantasien,

Weg von der Vernunft der Aufklärung, im Vor- und Einklang zur Romantik mit der Hinwendung zur märchenhaften Traumwelt.

In dieser Zeit sind auch die Märchen der „Gebrüder Grimm“ entstanden.

 

Für Münchhausen

 

Ein Pferd auf dem Kirchturm – das gibt es wohl nicht

der Floh springt am Schachbrett – in keinem Gedicht

auch keine Riesenkrake fährt Rad

der Elefant hasst – wie Du – den Spagat

ein Ameisenbär der den Kopfsprung probiert

hat ohne Überlegung sein Leben riskiert

genau wie der Bär der rennrodelnd brummt

noch ehe die Stimme vor Angst fast verstummt:

Darum erkenne das Risiko

sonst geht es Dir vielleicht ebenso!

(auch aus "Ein todsicherer Plan")

 

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